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Wir alle wünschen uns ein selbstbewusstes Kind. Eines, das mutig und erfolgreich durchs Leben schreitet und dabei nie groß an seiner eigenen Person zweifelt. Kurzum: Ein Kind, das glücklich ist, unabhängig davon, ob gerade alles optimal im Leben läuft und ob andere Menschen gerade ihre Gunst bezeugen.

Der Schlüssel hierfür liegt in einem starken Selbstwertgefühl. Andere nennen es innere Stärke oder Selbstliebe. Die Grundlagen hierfür werden im Mutterleib gelegt. Dies und viel mehr erläutert Heinz-Peter Röhr in seinem Buch "Wie ich meinem Kind zu einem starken Selbstwertgefühl verhelfe". Wir haben den Ratgeber gelesen.

Das Buch

Klare Thesen

Röhr spricht klar. Und heftig. Die Theorien (er würde sagen "Erkenntnisse") in seinem Buch mögen nicht jedem Menschen behagen. Manchmal auf Unbehagen oder gar Widerspruch stoßen. Röhr zieht seine Thesen aus den Einsichten der Psychologie-Forschung und seinen eigenen Patientenerfahrungen. Lesenswert sind diese auf jeden Fall.

 
 

Eltern-Persönlichkeitsentwicklung

Röhr schreibt, dass die Wurzeln der Entwicklung eines starken Selbstwertgefühles bereits im Mutterleib gesetzt werden. Abhängig davon, welche Gefühle wir dem Kind entgegen bringen und wie optimistisch wir in dessen Zukunft blickten.

Danach liegt Kindes Selbstbewusstsein lange Zeit weiter stark in Elternhand. Dies funktioniert über zwei Wirkungsbereiche:

  • Wie wir das Kind behandeln, wie wir es wertschätzen und welche Bedingungen wir dafür voranstellen.
  • Wie unser Selbstwertgefühl entwickelt ist und welche "geheimen Programme" bei uns als Eltern ablaufen.

Beobachtungen bei Menschenaffen

Die Forscherin Jane Goodall widmete ein Großteil ihres Lebens der Beobachtung von Menschenaffen. Sie sagt in einem Interview mit Stefan Klein: "Je verlässlicher die Bindung zwischen Schimpansenmutter und  ihrem Kind ist, umso höher ist der Rang, den es später in der Horde einnimmt. Als dann mein Sohn zur Welt kam, habe ich mir von den Affenmüttern viel abgesehen."

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Wozu überhaupt

Wie wichtig ist ein gutes Selbstwertgefühl für die Entwicklung und das spätere Leben eines Kindes? Nach Röhr kann dies gar nicht hoch genug eingeordnet werden. Er schreibt:

"Das Selbstwertgefühl bestimmt ganz entscheidend über Glück oder Unglück, Erfolg oder Misserfolg im Leben."

Störungen in der Selbstliebe führen zu Verhaltensauffälligkeiten und anderen psychischen Problemen. Röhr schreibt dann sogar:

"Führ nahezu alle psychischen Probleme und Krankheiten, die keine biologischen oder organischen Hintergründe haben, ist ein gestörtes Selbstwertgefühl die eigentliche Ursache."

Hier werden sicherlich nicht alle Ärzte mitgehen. Dennoch ist diese These eine Überlegung wert.

Mythen

Röhr startet sein Buch damit, dass er mit Mythen des Selbstwertgefühles vor Gericht zieht. Eltern machen viel zu sehr die äußeren Umstände für das innere Selbstwertempfinden des Kindes verantwortlich. Beispiele von falschen oder nur temporär zutreffenden Glaubenssätzen:

  • Reiche Menschen
  • Erfolgreiche Menschen
  • Intelligente Menschen
  • Schöne Menschen
  • Mächtige Menschen

sind selbstbewusst (im Sinne von "mit hohem Selbstwertgefühl gesegnet"). So lauten die Glaubenssätze von vielen Menschen. Falsch bzw. keine zwangsläufige Koinzidenz, so Röhr.

Oftmals gilt eher das Gegenteil. Beispiel "Schöne Menschen": Frauen, die besonders schön sind, haben oftmals besonders hohe Zweifel an ihrer Attraktivität.

Daraus ergibt sich eine wichtige Aussage Röhrs für das Selbstwertgefühl eines Kindes:

"Leistungen und Auszeichnungen sind für das Selbstwertgefühl nicht zielführen."

Wie wird mein Baby selbstbewusst?

Röhr schreibt, dass die Basis für ein gesundes Selbstwertgefühl in den ersten sechs Jahres des Kindes gelegt wird. Was können Eltern konkret tun? Der Kern von Röhrs Konzept liegt in folgenden Aussagen:

  1. Kinder brauchen vor allem in den Anfangsjahren viel Zuwendung, auch über körperlichen Kontakt.
  2. Eltern sollten das Kind prinzipiell um seiner selbst lieben, unabhängig von dessen Leistungen oder Fehlern. Es gilt, dies dem Kind auf verschiedenen Ebenen und immer wieder zu zeigen.
  3. Ein gutes Selbstwertgefühl der Eltern kann maßgeblich zu einem ebensolchen bei dem Kind beitragen. Von daher würde Röhr bei Kindern mit Selbstwertproblemen immer die Eltern "mitbehandeln" wollen.

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Eigene Methode "Selbstwertanalyse"

Röhr hat eine eigene Methode zur Entwicklung des Selbstwertgefühles bei Erwachsenen entwickelt, die "Selbstwertanalyse". Diese wendet er analog bei Kindern an.

Eine Grundlage dieses Programmes besteht darin, die eigenen Glaubenssätze und inneren Programme aufzuspüren. Sind diese negativer Natur bzw. wirken sie eher abwertend auf unser Selbstwertgefühl oder führen sie dazu, dass wir stets meinen, uns im Leben beweisen zu müssen, besser sein zu müssen, sollten wir diese ändern.

Hier kann es auf Seiten der Eltern durchaus zu schmerzhaften Erkenntnissen kommen. Nicht wenige werden darum die Augen von ungünstigen Glaubenssätzen abwenden und die notwendigen Schritte zur Änderung nicht gehen. Andere werden zwar hinschauen, aber nicht die Kraft zu einer neuen Vorgehensweise im Umgang mit sich selbst bzw. in der Art, wie sie von sich selbst denken, finden.

Gesetzmäßigkeiten

Röhr betont deshalb, dass unser Selbstwertgefühl bestimmten Gesetzmäßigkeiten folgt. Wenn A, dann B. Seine Therapie besteht deshalb in der Implementierung neuer, das Selbstbewusstsein fördernden inneren Programmen. Am Ende sollte das Kind die folgenden 3 Fragen aus tiefstem Herzen mit einem klaren "Ja!" beantworten:

  • Bin ich willkommen?
  • Genüge ich?
  • Bekomme ich genügend Liebe und Zuwendung?

So sind gerade Zeiten der Niederlage oder der schlechten Leistungen (z.B. in der Schule) eines Kindes für die Eltern gute Gelegenheiten, die Liebe und den Respekt vor dem Kind unabhängig von äußeren Umständen deutlich zu machen!

Achte auf deine Gedanken

Röhr verweist stets auf Buddha, der betonte:

Du bist, was du denkst.

Röhr ermutigt, auf die eigenen Gedanken zu achten und negative Denkmuster durch positive zu ersetzen. Beispiele für gesunde Glaubenssätze wären:

  • "In mir ist alles, was ich brauche."
  • "Ich bin dankbar."
  • "Ich stelle keine Bedingungen an das Leben."

Weitere Punkte in der Zusammenfassung

Röhr geht immer wieder auf die Umstände einer alleinerziehenden und berufstätigen Mutter ein. Seine Ratschläge ermutigen, er gibt viele Tipps für den Alltag.

Das ganze Buch enthält darüber hinaus viele Empfehlungen für ein zufriedeneres und dadurch selbstbewussteres Leben, auch bei einem Erwachsenen. Beispielsweise betont er die Wichtigkeit von dem Empfinden von Dankbarkeit im Leben, oder die Möglichkeit, das Leben "ohne Bedingungen" zu feiern.

Viele Fallbeispiele verdeutlichen Störungen im Selbstwertgefühl und dessen Auswirkungen auf das ganze Leben. Auch aktuelle Probleme wie Computersucht oder Kinder-Burnout werden angeschnitten.

Ein eigenes Kapitel ist dem Problem der Geschwisterkonkurrenz und dessen Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl gewidmet. Ein gern übersehener, unschöner Aspekt eines Geschwisterchens. Röhr schildert ebenfalls narzisstische Entwicklungsströmungen, Ausnutzung der Kinder von den Seiten der Eltern unter dem Deckmantel "Ich will nur das beste für mein Kind" sowie Übertreibungen bei der Unterstützung des Kindes, Stichwort hier u.a. Helikoptereltern. Typische Folgen der Ängste von Eltern in einer Leistungsgesellschaft.

Fazit

Das Buch behandelt eine Fülle von Aspekten, die das Selbstwertgefühl eines Babys, Kindes und Erwachsenen berühren. Auch wenn man nicht allen Aussagen vollständig zustimmt, wird man doch zum Nachdenken angeregt.
Wo wohl fast alle mitgehen können ist Röhr's Empfehlung, dass Eltern folgendes ihren Kindern stets zeigen und vermitteln sollten:

"Ich weiß, dass du nicht perfekt bist, und das musst du auch gar nicht sein. Ich liebe dich so, wie du bist."

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