altEine Grundsicherung für Kinder soll die Chancengleichheit der Heranwachsenden in Deutschland gewährleisten - lesen Sie hier das Wichtigste zum Konzept.
An und für sich ein Skandal: In kaum einem entwickelten Land hängt der Schulerfolg eines Kindes so sehr vom Einkommen der Eltern ab wie in der Bundesrepublik. Und das, obwohl wir in einem der reichsten Länder der Erde wohnen. Ein Bündnis aus Verbänden und Wissenschaftlern fordert von daher, dass jedem Kind 500.- Euro pro Monat vom Staat zur Verfügung gestellt wird. Unrealistisch? Unbezahlbar? Wofür? Lesen Sie weiter ...

Arme Kinder in Deutschland
Rund 2,4 Millionen Kinder gelten in Deutschland als arm, ungefähr jedes sechste Kind, Tendenz: steigend. Relativ arm, präziser gesagt. Denn verhungern muss hierzulande kein Kind. Aber Millionen Kinder sind im Verhältnis zum Durschnitt der Kinder ihres Umfeldes als arm anzusehen. Und das hat Folgen für die Kinder.

Ein »verhältnismäßig« armes Kind leidet unter geringerer schulischer Bildung (mit negativen Folgen für sein Selbstbewusstsein und seine späteren Berufsaussichten), es wird in der Regel schlechter ernährt und ist häufiger krank. Darüber hinaus müssen ärmere Kinder oftmals auf die Teilhabe an Veranstaltungen und Einrichtungen des sozialen Lebens (Turnvereine, Musikschule, Ausflüge, Fahrten etc.) verzichten. Und entbehrt somit der intellektuellen und körperlichen Benefits dieser segensreichen Institutionen.

Die Fakten sind bekannt und werden parteiübergreifend nicht mehr geleugnet. Nur die Wichtigkeit des Handlungsbedarfs (insbesondere im Vergleich zu anderen Problemen) und damit die Zahlungsbereitschaft schwankt stark.

Was bringt Gleichheit?
Beim wohlsituierten Bürger laufen unbewusst vielleicht die folgenden Gedankenprozesse ab: Was geht es mich an? Mein Kind (Einzelkind?) besucht das beste Gymnasium der Stadt und lernt privat Chinesisch und Klavier. Wozu soll ich mich dafür einsetzen, meinem Kind auch noch Konkurrenz vor die Nase zu setzen?

Dabei wird übersehen, dass die Zufriedenheit einer Gesellschaft steigt, je gleicher die Individuen in ihr behandelt werden und je ausgeglichener die Einkommen verteilt sind. Leider finden diese Erkenntnisse in den politischen Diskussionen kaum Erwähnung. Wären sich alle ihrer bewusst, müsste man die Nivellierung der ungleichen Chancen nicht lang und breit begründen. Es ginge nur um das »Wie«.

Wir haben schon viel erreicht
Bei allem, was noch zu tun ist, sollte eines immer wieder ins Bewusstsein treten: In Deutschland, der Schweiz und Österreich gibt es bereits viele segensreiche Einrichtungen, die das Wohl der Kinder fördern. Und doch kann zum Beispiel bei der Bildung jedes Bundesland sein eigenes Süppchen kochen. Genauso wie bei allen Vereinen rund ums Kind. Mit der Folge, dass viele Angebote kostenpflichtig sind und von finanziell schwachen Eltern nicht erworben werden. Trotz steter Anhebung des Kindergeldes bleibt für viele Eltern nicht genug zur Förderung ihrer Kinder übrig.

Das Konzept der Grundsicherung für Kinder
Modelle zur Grundsicherung gibt es von vielen Seiten: Von den Grünen bis zur Linken, von den Gewerkschaften bis zu den Kirchen (siehe auch de.wikipedia.org/wiki/Kindergrundsicherung). Der Vorschlag des Vereines zur Grundsicherung für Kinder: 500.- Euro pro Monat für jedes Kind. Der Betrag gründet sich am soziokulturellen Existenzminimum in Höhe von circa 322 Euro (vom Bundesverfassungsgericht so festgelegt) sowie einem Betreuungs-, Erziehungs- und Bildungsbedarf in Höhe von 180 Euro.

Bezahlung der Grundsicherung
Das Bündnis schlägt als Finanzierung dieser Geldleistungen vor:

  • Die Ausschüttungen werden voll versteuert, so kommt mehr bei den Ärmeren an.
  • Völliger Verzicht auf sonstigen Familienleistungen, insbesondere Kindergeld, Bafög, Kinderfreibetrag, Ehegattensplitting etc.
  • Sollten die Bildung, der Weg dorthin und die Lehrausrüstung frei zugänglich sein, würde sich der Betrag auf die 322.- Euro reduzieren.

Offene Probleme
Natürlich würde durch diese Grundsicherung der Kinder die Kinderarmut nicht abgeschafft werden. Auch hätten Eltern die Möglichkeit, das Geld für andere Zwecke als für das Kind zu verwenden. Hier sind weitere, lenkende Vorschriften notwendig. Auch die Lebensverhältnisse der Eltern, die sich unmittelbar auf das Wohl des Kindes auswirken, werden durch eine Grundsicherung für Kinder nicht sonderlich gebessert.

Fazit
Auf dem Bildungsstand unserer Kinder bauen wir die Zukunft des Landes. Und, nicht unbedeutender: Eine Chancengleichheit für Bildung und Erziehung (und damit viel mehr Kinder mit besserer Bildung) sorgt für zukünftigen sozialen Frieden und ein glücklicheres Leben in unserem Land. Ob das durch die vom Bündnis vorgeschlagene Grundsicherung für Kinder erzielt wird oder durch andere Modelle, ist dabei nicht so wichtig. Wichtig sollte sein, dass dieses Ziel mit Taten und Maßnahmen angestrebt wird.

 

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Autor: P. Bödeker

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