Hallo,
im September wurde meine Tochter Lea (1. Kind) geboren. Drei Wochen zu früh durch Geburtseinleitung wg. Schwangerschaftskomplikationen. Bei der Geburt (sehr schmerzhafte Sturzgeburt) hatte ich grünes Fruchtwasser und meine Tochter atmete zuerst nicht. Sie verbrachte 8 Tage auf der Intensivstation. Stillen durfte ich nicht, da ich Medikamente nehmen muss. Sie war sehr schläfrig und wachte kaum von selbst auf. Wir mussten sie alle drei Stunden wachquälen (ausziehen, kitzeln, wickeln - alles was geht, haben wir nutzen müssen), um Mindestmengen in sie hineinzuquetschen, was mitunter eineinhalb bis zwei Stunden dauerte, weil sie alle paar Minuten von neuem einschlief.
Mit zwei Wochen bekam sie eine Hüftschiene und ein paar Tage später begannen die Koliken. Obwohl sowohl meine Kinderärztin als auch meine Hebamme sagen, dass "echte" Koliken nur selten vorkommen und die Babys meist wegen anderen Dingen schreien (Blockaden, Reizüberflutung, "normale" Blähungen, etc.), diagnostizierten und behandelten beide bei meiner Tochter auf Koliken. Sie schrie jeden Tag ab etwa 16.30 Uhr bis zum Einschlafen gegen 19.30 Uhr beinahe durchgehend. (Die erste Nacht hat sie komplett durchgebrüllt - sofern sie nicht zwischendurch 10 Minuten vor Erschöpfung weggedämmert ist.) Und zwar bis etwa Mitte des vierten Monats. Es war zwar im Laufe des dritten Monats besser geworden, dank Sab Simplex, Windsalbe (aus Kümmelextrakt, gibts in der Apotheke), Kümmelzäpfchen (nur im Notfall genutzt). Vor allem aber haben Tropfen geholfen, die meine Hebamme uns angeraten hatte. Ich weiß leider den Namen nicht mehr, war zu dem Zeitpunkt (Dezember) auch recht neu auf dem Markt. Wir waren Testpersonen für meine Hebamme und die Tropfen waren super. Es ist irgendein Öl, homöopathisch, in einer kleinen, gelben Flasche. Und man gibt nur ein paar Tropfen einmal täglich.
Ansonsten: Viel Herumtragen. Wir hatten den Eindruck, dass es weniger das schaukeln war, das half, sondern sie vor allem von den Schmerzen abgelenkt wurde, weil sie so viele interessante Dinge sah.
Bauchmassagen mit Kümmelöl oder entsprechenden Salben haben bei Lea ebenfalls gut geholfen. Wir merkten es schnell, wie stark die Schmerzen waren, wenn wir sie massiert haben - je stärker die Schmerzen, desto besser gefiel ihr die Massage. Schrie sie wegen etwas anderem (Reizüberflutung war bei ihr auch immer ein Problem...), mochte sie die Massagen gar nicht und wand sich.
Wenn Lea nachts unruhig schlief und im Schlaf weinte, weil der Bauch drückte, habe ich ihr einen Finger zum Festhalten gegeben. Sie drückte ihn ganz fest und konnte damit dann besser schlafen. Wenn die Kolik vorbei war (meist schon nach wenigen Minuten), habe ich mich auch wieder hingelegt. Lea war dabei nur selten wach.
Bäucheren machen geht übrigens sehr gut, wenn man das Baby auf den Bauch auf die eigenen Beine legt. Aber Spucktuch nicht vergessen: Durch den Druck auf den Bauch kommt öfter etwas Milch mit als beim "normalen" Bäuerchen-Griff.
Nach unten auslüften geht sehr gut, wenn man die Beine des Krümels hoch gegen den Bauch drückt und im Uhrzeigersinn dreht. Loslassen, damit der Bauch entspannen kann, und das ganze noch einmal.
Ob Luft im Bauch ist, kann man übrigens ganz gut testen: Auf den Bauch klopfen. Bei Luft im Bauch klingt es dann wie eine leere Tupperschale oder eine kleine Trommel.
Insgesamt gibt es ganz ganz viele Dinge, die man tun kann, wenn das Baby Bauchweh (ob offizielle Kolik oder nicht, ist eigentlich egal) hat. Die Medis, die helfen, gibt es rezeptfrei in der Apotheke. Vor allem aber sollte man selbst schauen, was dem Kind gut tut. Ausprobieren und beobachten. Ständiges oder dauerndes Schreien wird gerne als Kolik abgetan. Aber das ist es nicht unbedingt. Meine Schwester hatte ein Schreikind (u. a. wurde auch ihr von Koliken erzählt) und niemand hat ihr geglaubt, wie heftig es ist. Mit drei Jahren wurde dann bei meiner Nichte ADS diagnostiziert - da war klar, dass das Brüllen daher kam, dass die Kleine sich in der Welt nicht zurecht finden konnte. (Es gibt da auch so eine Art Fachwort für, das mir aber gerade nicht einfällt.) Und plötzlich war meine Schwester auch nicht mehr die überempfindliche Mutter, die immer übertreibt.
Neugeborene schreien, weil sie irgendwas brauchen - Nähe, Essen, Schlaf, eine trockene Windel, etwas gegen Bauchweh, etwas zum Einleben-Helfen, eben irgendetwas. Für ein Neugeborenes ist das im Grunde alles gas gleiche. Das muss man immer im Kopf behalten, denke ich.